Wer an Goldschmuggel denkt, hat meist präparierte Koffer, versteckte Fahrzeugteile oder doppelte Böden in Containern vor Augen. Dass ausgerechnet lebensgroße Sexpuppen einmal im Mittelpunkt einer internationalen Schmuggelermittlung stehen würden, hätte wohl kaum jemand erwartet.
Genau das ist jedoch in Japan passiert.
Drei scheinbar gewöhnliche Silikonpuppen wurden aus China eingeführt. Erst bei einer intensiveren Kontrolle stellte sich heraus, dass sich in ihrem Inneren nicht nur ein Metallskelett befand, sondern auch 49 Kilogramm Gold mit einem geschätzten Wert von über einer Milliarde Yen.
Der Fall sorgt nicht nur wegen der enormen Goldmenge für Aufmerksamkeit, sondern auch wegen der ungewöhnlichen Methode.
Von außen wirkte alles völlig normal
Nach bisherigen Erkenntnissen wurden die lebensgroßen Puppen per Luftfracht nach Japan geschickt und gegenüber den Behörden als gewöhnliche Schaufensterfiguren beziehungsweise Mannequins deklariert.
Verpackung, Begleitpapiere und äußeres Erscheinungsbild ließen zunächst keinen Verdacht aufkommen.
Erst nachdem Zollbeamte die Figuren genauer untersuchten, wurde deutlich, dass die Metallkonstruktionen im Inneren verändert worden waren.
Zwischen den tragenden Elementen befanden sich zahlreiche Goldbarren, die sorgfältig verteilt und anschließend wieder vollständig von Silikon umschlossen wurden.
Von außen waren keinerlei Veränderungen zu erkennen.
Warum wurden ausgerechnet Sex puppen gewählt?
Diese Frage stellen sich fast alle, die von dem Fall hören.
Die Antwort hat weniger mit den Puppen selbst zu tun als mit ihrer Konstruktion.
Hochwertige Real sex dolls besitzen ein stabiles Metallskelett, das Beweglichkeit und Standfestigkeit ermöglicht. Zwischen einzelnen Rahmenteilen entstehen Hohlräume, die sich technisch verändern lassen, ohne dass sich die äußere Form sofort verändert.
Hinzu kommt das Material.
Silikon und TPE gehören bereits von Natur aus zu den schwereren Werkstoffen. Dadurch fällt zusätzliches Gewicht deutlich weniger auf als beispielsweise bei Kunststoffgehäusen oder Kartonverpackungen.
Auch die Größe spielt eine Rolle.
Eine lebensgroße Figur verteilt zusätzliches Gewicht über den gesamten Körper. Von außen wirkt sie deshalb oft unverändert, obwohl sich ihr Inneres erheblich unterscheiden kann.
Gerade diese Kombination dürfte die Schmuggler überzeugt haben.
Mehr als nur Gold – offenbar ging es vor allem um Steuern
Nach Angaben der japanischen Ermittlungsbehörden stand hinter der Aktion offenbar nicht nur der illegale Transport des Edelmetalls.
Durch die falsche Warendeklaration sollte gleichzeitig die japanische Verbrauchssteuer umgangen werden.
Der mögliche Steuerschaden wird auf rund 107 Millionen Yen geschätzt.
Für organisierte Schmuggelnetzwerke sind solche Beträge häufig der eigentliche wirtschaftliche Anreiz.
Je höher der Goldpreis steigt, desto größer wird auch der finanzielle Vorteil einer erfolgreichen Umgehung der Einfuhrabgaben.
Die Lieferung war offenbar genau geplant
Nach den bisherigen Ermittlungen sollten die drei Puppen zunächst in eine Wohnung im Tokioter Stadtbezirk Arakawa geliefert werden.
Von dort aus war vorgesehen, die Goldbarren zu entnehmen und an einen weiteren Lagerort zu bringen.
Im Zusammenhang mit dem Fall wurden inzwischen sechs Personen festgenommen.
Die Behörden prüfen derzeit, ob dieselbe Methode bereits bei früheren Lieferungen eingesetzt wurde oder ob weitere Beteiligte zum Netzwerk gehören.
Goldschmuggel verändert ständig seine Methoden
Der aktuelle Fall zeigt vor allem eines:
Organisierte Schmuggler verlassen sich heute kaum noch auf klassische Verstecke.
In den vergangenen Jahren fanden Zollbeamte Gold unter anderem in:
- Elektromotoren
- Fahrzeugteilen
- Industrieanlagen
- Reisekoffern mit Spezialanfertigungen
- elektronischen Geräten
Lebensgroße Liebespuppen gehören jedoch zu den ungewöhnlichsten Verstecken, die bislang öffentlich bekannt wurden.
Gerade weil solche Produkte im internationalen Warenverkehr legal gehandelt werden, wirken entsprechende Sendungen auf den ersten Blick oft unauffällig.
Müssen Hersteller von Sexpuppen jetzt mit strengeren Kontrollen rechnen?
Der Fall dürfte auch Auswirkungen auf den internationalen Versand haben.
Experten gehen davon aus, dass Zollbehörden künftig nicht nur Sexpuppen, sondern generell großvolumige Figuren genauer kontrollieren könnten.
Dazu zählen beispielsweise:
- Schaufensterpuppen
- Silikonfiguren
- Skulpturen
- Dekorationsobjekte mit Metallrahmen
Für seriöse Hersteller hochwertiger Liebespuppen bedeutet das jedoch nicht, dass ihre Produkte selbst problematisch wären.
Die Puppen waren in diesem Fall kein Bestandteil einer Straftat – sie wurden lediglich als Transportbehälter missbraucht.
Der eigentliche kriminelle Hintergrund lag ausschließlich im Goldschmuggel und der versuchten Steuerhinterziehung.
Warum dieser Fall weltweit Aufmerksamkeit erregt ?
Nicht die Goldmenge allein macht diesen Fund außergewöhnlich.
Es ist vielmehr die Kreativität, mit der alltägliche Produkte zweckentfremdet werden.
Je intensiver internationale Warenströme überwacht werden, desto ungewöhnlicher werden häufig auch die Methoden organisierter Kriminalität.
Was gestern noch in Maschinen oder Fahrzeugen verborgen wurde, findet heute möglicherweise Platz in Gegenständen, mit denen niemand rechnet.
Der japanische Fall zeigt eindrucksvoll, dass Schmuggel längst nicht mehr nach festen Mustern abläuft.
Ein ungewöhnlicher Kriminalfall – aber kein typischer Alltag
Der Fund von 49 Kilogramm Gold in drei lebensgroßen Sexdolls dürfte noch lange als einer der außergewöhnlichsten Schmuggelfälle Japans gelten.
Für Käufer hochwertiger Liebespuppen gibt es daraus allerdings keine besonderen Rückschlüsse. Weltweit werden jedes Jahr tausende Silikon- und TPE-Puppen legal produziert, exportiert und verkauft.
Der aktuelle Fall zeigt lediglich, wie weit organisierte Kriminalität inzwischen bereit ist zu gehen, um Zollabgaben zu umgehen und wertvolle Waren unbemerkt über Grenzen zu transportieren.
Am Ende standen jedoch nicht die Schmuggler im Mittelpunkt, sondern die Arbeit der japanischen Zoll- und Ermittlungsbehörden. Ohne die intensive Kontrolle wäre eine Lieferung im Wert von mehr als einer Milliarde Yen vermutlich unbemerkt im regulären Warenverkehr verschwunden.
